LEARNING IN ACTION

learning in Action - oder wie an der Hochschule reale Probleme im virtuellen Büro bearbeitet werden

von Prof. Dr. Andreas Ninck, Berner Fachhochschule, Bern

 

Rasche Veränderungen in verschiedenen Lebensbereichen (Gesellschaft, Umwelt, Technologie, Markt etc.) generieren immer wieder neue Probleme, Chancen und Herausforderungen. Wir wissen, dass jede Form von Veränderung zur Erhöhung der Komplexität führt, und dass komplexe Probleme selten mit bestandenen Lösungsmustern angegangen werden können. Künftige Problemlöser benötigen folglich nicht nur explizites Faktenwissen, wie es in Lehrbüchern oder Wissensbanken verfügbar ist. Gefragt ist vielmehr die Fähigkeit, vorhandene Denkmuster zu durchbrechen und im kollektiven Prozess neues Wissen zu generieren. Der Anspruch zur aktiven Wissenskonstruktion steht aber im Widerspruch zu den gängigen Formen des Unterrichts, wo in der Regel die Vermittlung und Reproduktion von Wissen im Vordergrund stehen. An der Berner Fachhochschule ist 2006 ein neuer Studiengang Projektmanagement entwickelt worden.

Dabei hat sich die Chance ergeben, einige herkömmliche Ausbildungsmuster gründlich zu überdenken und neue, aktivitätsorientierte Unterrichtsformen zu implementieren. Im Beitrag werden folgende Themen ausführlich diskutiert und mit Beispielen illustriert:  

  • Systemischer Ansatz: Die Probleme mit welchen wir als Projektmanager konfrontiert sind, zeichnen sich durch eine zunehmende Verhaltensvariabilität und somit hohe Komplexität aus. Der Beitrag erläutert wesentliche Unterschiede zwischen komplizierten und komplexen Systemen und legt die Notwendigkeit zum Umdenken dar. Anhand eines systemischen Ansatzes werden Möglichkeiten zur Vermittlung im Unterricht aufgezeigt.
  • Neue Arbeitsformen: Der Wandel der Problemtypen geht einher mit dem gesellschaftlichen Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Dieser wirkt sich drastisch auf die Arbeitsformen und Sozialsysteme aus. Für den einzelnen Arbeitnehmer heißt das z.B. eine Zunahme der Selbstkontrolle, Eigenmotivation und Selbstorganisation. Gefragt ist gleichzeitig mehr Aufgabenorientierung, Teamleistung und organisationales Lernen. Der Beitrag erläutert Konsequenzen für die Wahl der Arbeits- und Lernformen.
  • Konstruktives Lernen: Lernen im herkömmlichen Sinne bedeutet “Memorisieren und Wiedergeben von Fakten“ (knowing that). Dabei wird auf statische Weise deklaratives Wissen angeeignet. Dieses ist aber für den praktischen Alltag nur bedingt von Bedeutung. Für den künftigen Projektmanager ist vielmehr dynamisches Ablaufwissen (knowing how) und Problemlösefähigkeit im Umgang mit Komplexität (knowing in action) gefragt. Der Beitrag erläutert den notwendigen Wandel von einer instruktionalistischen zu einer konstruktivistischen Sicht des Lernens. Lernen in diesem Sinn heißt “aktives Konstruieren von Denkmustern“.
  • Aktives Lernen: Konstruktives Lernen bedingt einen Wandel vom Reproduzieren zum Produzieren, vom Wissenserwerb zur Kompetenzentwicklung, vom Prüfen zum Fördern, von der Lehre zum Coaching. Der Beitrag zeigt, inwiefern der gewählte ’Action Learning’ Ansatz diesen Ansprüchen gerecht werden kann, und wie damit gleichzeitig Theorie und Praxis in idealer Weise verbunden werden.
  • Neue Medien: Abgestimmt auf den Wandel der Arbeits- und Lernformen wird der Unterricht in verschiedener Weise durch neue Medien unterstützt. Die Kommunikationstechnologien sind ihrerseits im Wandel: Kommunikation wird nicht mehr ausschließlich im Sinne von “Senden und Empfangen von Information“ verstanden; mit neuen eCollaboration Tools wird auch ein aktives “Austauschen und Abgleichen von Denkmustern“ möglich. Während sich das herkömmliche eLearning noch weitgehend auf distributive und interaktive Medien konzentriert, rücken für den PM-Unterricht kollaborative Lernformen in den Vordergrund.
  • Virtuelles Büro: Mit den neuen Technologien wird der virtuelle Arbeitsplatz zur “Schaltstelle in der Wissensgesellschaft“. Gleichzeitig müssen wir uns von der traditionellen Vorstellung des Arbeitens an einem festen Ort zu einer fixen Zeit verabschieden. Im Beitrag wird gezeigt, mit welchen synchronen und asynchronen Mitteln die Studierenden auf die künftige Arbeitswelt vorbereitet werden.
  • Lernen zu lernen: Wissensmanagement ist bisher stark durch die Informatik geprägt worden. Die Annahme, dass Wissen ausschließlich in expliziter Form ausgetauscht werden kann, hat nur bedingt zum Erfolg geführt. Im PM-Bereich, wo Kommunikation und Kollaboration von zentraler Bedeutung sind, scheint deshalb ein Wandel weg von der Kodifizierungsstrategie hin zu einer Personifizierungsstrategie angesagt. Der Beitrag zeigt, wie durch ’Action Learning’ die Metakognition ins Zentrum gerückt wird.

 

Projekte zeichnen sich aus durch ihre Einmaligkeit. Es werden Ideen und Inhalte entwickelt, welche bisher noch nicht in dieser Form gedacht oder umgesetzt worden sind. Um in neuen Strukturen denken und handeln zu können, müssen wir mit tradierten Denkmustern und Handlungsabläufen brechen. Systemisches Denken, selbstorganisierendes Handeln, aktives Lernen, die Nutzung kollaborativer Medien und die immerwährende Konstruktion von neuem Wissen bilden wichtige Grundpfeiler für die Innovationskraft und den Erfolg von Organisationen. Die Fähigkeit, schneller zu lernen als die Konkurrenz, ist ein entscheidender und vor allem dauerhafter Wettbewerbsvorteil!

(Quelle: PM FORUM 2007)

 

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